Tag Archives: Gleichberechtigung

Sprachkritik: Gendergerechte Sprache (Deutschlandfunk)

Svenja Flaßpöhler, Philosophin, spricht im Interview „Sprachkritik“ am 25.11.2018 auf Deutschlandfunk über gendergerechte Sprache. Eine spannende und differenzierte Sicht auf das Thema!

„Wenn wir mal annehmen, wir hätten wirklich eine gleichberechtigte Gesellschaft, es wären genauso viele Frauen wie Männer in Arztpraxen, in Führungspositionen, in Vorständen und so weiter. Ich vermute mal, wir würden uns nicht weiter daran stören: an diesem generischen Maskulinum. Das wäre uns ziemlich wurscht, weil die gesellschaftliche Realität ja nun einmal eine ist, wie wir sie haben wollen, nämlich eine gleichberechtigte.“ (Svenja Flaßpöhler)

Nachzuhören hier: https://www.deutschlandfunk.de/sprachkritik-3-4-geschlechtergerechtigkeit.1184.de.html?dram:article_id=430642

Die dritte Option – nicht nur in Stellenausschreibungen

Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 2017, das eine dritte Option im Personenstandregister vorsieht, ergeben sich für Unternehmen und Verwaltungen viele offene Fragen.

In Stellenausschreibungen wird mittlerweile standardmäßig die Form (m/w/d) eingesetzt, z.B. „Sachbearbeiter (m/w/d)“. d steht dabei für divers und soll die ansprechen, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen können oder wollen.

Doch auch in vielen anderen Bereichen können Unternehmen und Verwaltungen darauf achten, alle Personen anzusprechen oder zu nennen.

Die Stiftung PROUT AT WORK hat dazu umfassende Empfehlungen veröffentlicht. Sehr empfehlenswert für alle, die sich detaillierter mit dem Thema beschäftigen möchten:

„Die Dritte Option und ihre Umsetzung in Unternehmen“

Link: https://www.proutatwork.de/einfuehrung-der-dritten-option/

 

„Sichtbar sein!“ – Rap von Jugendlichen

Pinkstinks hat mit 13-jährigen Mädchen ein Video zu gendergerechter Sprache produziert. Daraus ist der Musikclip „Sichtbar sein!“ entstanden. Wie das Video entstanden ist und wie sich der Song anhört, erfahren Sie auf der Website von Pinkstinks:

 https://pinkstinks.de/hamburger-schuelerinnen-protestieren-zum-weltmaedchentag/

Verkehrsschilder mal anders

Ampelfrauen gibt es schon. Aber was ist eigentlich mit Frauen auf den deutschen Verkehrsschildern?

„Um unser Denken in Sachen Geschlechterrollen ein wenig aufzubrechen, hat ze.tt die deutschen Verkehrsschilder unter die Lupe genommen. Ja, die Figuren auf den meisten Schildern könnten geschlechtsneutral sein. Es gibt keine Merkmale, die diese Figuren einem eindeutigen Geschlecht zuordnen. Aber: Sehen wir nicht dennoch überwiegend Männer darauf? In unseren Köpfen ist es ein Männchen auf dem Baustellenschild, das gerade Sand schaufelt, ein Motorradfahrer auf dem Verbotszeichen, ein Junge, der einem Ball hinterläuft. Nicht umsonst trägt das Berliner Ampelmännchen seinen Namen.“

Zum ganzen Artikel auf ze.tt und ein paar Vorschläge für diverse Verkehrsschilder geht es hier:

Warum sind auf Verkehrsschildern eigentlich nicht auch Frauen abgebildet? ze.tt, Philipp Kienzl, 01.08.2018

Generisches Maskulinum: „Es geht nicht um das ‚Mitgemeint‘ sein der Frauen“ (A. Schrupp)

Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp (www.antjeschrupp.com) macht sich sehr interessante Gedanken über das generische Maskulinum und darüber, warum sich ein Teil der Gesellschaft so vehement gegen gendergerechte Sprache wehrt:

„Ich glaube tatsächlich, dass ihnen [vielen Männern, Anm. Johanna Usinger], gerade aufgrund der Struktur unserer Sprache, hierfür die Übung fehlt. Während Frauen aufgrund des generischen Maskulinums von klein auf üben (müssen), zu unterscheiden, ob sie gemeint sind oder nicht, werden Männer daran gewöhnt, dass sie immer gemeint sind, dass es prinzipiell immer um sie geht, es sei denn, es ist ausdrücklich von Frauen die Rede.“

Den ganzen Artikel gibt es auf ihrer Website: Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen, Antje Schruppe, 14.03.2018

Empfehlenswert!

Gendergerechte Sprache als demokratische Pflicht (sueddeutsche.de)

Die Sprachwissenschaftler*innen Damaris Nübling (Universität Mainz) und Henning Lobin (Universität Gießen / Universität Mannheim) erklären in einem Artikel auf sueddeutsche.de, warum die Annahme, das generische Maskulinum würde beide Geschlechter meinen, aus sprachwissenschaftlicher Sicht falsch ist.

Außerdem sehen sie in der Verwendung von gendergerechter Sprache nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, sondern viel mehr eine demokratische Pflicht:

„Vor diesem Hintergrund ist es also nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, mit und über Menschen in der öffentlichen Kommunikation so zu sprechen, dass Männer und Frauen explizit benannt sind – allein das sollte ja eigentlich schon Grund genug sein, dies zu tun. Es ist darüber hinaus geradezu eine demokratische Pflicht, die Entfaltung von Chancengleichheit und -gerechtigkeit nicht schon durch die Ablehnung geeigneter sprachlicher Mittel zu behindern.“

Den ganzen Artikel gibt es hier: Geschlechtergerechte Sprache ist demokratische Pflicht, D. Nübling und H. Lobin, sueddeutsche.de, 06.06.2018

Veränderte Sichtweisen – durch gendergerechte Sprache

Marieke Reimann von ze.tt reflektiert in einem Kommentar, wie sich die Sichtweise und Leseerwartung ändern kann, wenn gendergerechte Sprache im Arbeitsalltag angewendet wird.

„Das tägliche Nachdenken darüber, welche Geschlechter in einem Text tatsächlich gemeint sind, führt zu einer Erwartungshaltung. Nämlich der, dass man von Verfasser*innen von Beiträgen erwartet, vermittelt zu bekommen, um was für Menschen es genau geht. Jede*r, der*die schon länger bei ze.tt arbeitet, bemerkt beim Lesen anderer Texte eine Veränderung seines*ihres Leseverhaltens. Nun sind wir keine Wissenschaftler*innen, die das empirisch erforscht hätten, aber Redakteur*innen, die jeden Tag ihr * setzen. Je öfter man das macht, desto mehr wundert man sich darüber, dass andere es nicht machen.

Sie beschreibt damit eine Erfahrung, die ich teile. Je länger man gendergerechte Sprache anwendet, je mehr man sich Gedanken über die eigene Sprache macht, desto sensibler und aufmerksamer wird man für das Thema.

Toller Kommentar!

Warum alle Medien gendern sollten (ze.tt, 01.06.2018)

„Sprache ist der Schlüssel zu Gleichberechtigung“ – Entscheidung des BGH

Der BGH hat die Revision von Marlies Krämer, die sich von ihrer Sparkasse nicht als Kunde ansprechen lassen will, abgewiesen. Die Klägerin will jetzt weiter vor das Verfassungsgericht ziehen. Es bleibt daher spannend! Sie sagt: „Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde.“ Denn: „Sprache ist der Schlüssel zur Gleichberechtigung.“

Mehr Infos z.B. bei Tagesschau.de 

Dort kommentiert Gigi Deppe vom SWR das Urteil. Hörenswert!

Das generische Maskulin – eine lange Tradition?

Wie berichtet, entscheidet der Bundesgerichtshof gerade darüber, ob Sparkassen gendergerechte Sprache anwenden müssen. Oft wird argumentiert, dass das generische Maskulin eine lange Tradition hat und daher beibehalten werden kann. Aber stimmt das überhaupt?

Diese und andere spannende Fragen stellte SZ online dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Er sagt dazu:

„Nicht das generische Maskulin ist 2000 Jahre alt. Sondern das Patriarchat.“

Das ganze Interview: Liebe Leser, das folgende Interview ist auch für Frauen gedacht, SZ online, 22.02.2018