Tag Archives: Gleichberechtigung

Generisches Maskulinum: „Es geht nicht um das ‚Mitgemeint‘ sein der Frauen“ (A. Schrupp)

Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp (www.antjeschrupp.com) macht sich sehr interessante Gedanken über das generische Maskulinum und darüber, warum sich ein Teil der Gesellschaft so vehement gegen gendergerechte Sprache wehrt:

„Ich glaube tatsächlich, dass ihnen [vielen Männern, Anm. Johanna Usinger], gerade aufgrund der Struktur unserer Sprache, hierfür die Übung fehlt. Während Frauen aufgrund des generischen Maskulinums von klein auf üben (müssen), zu unterscheiden, ob sie gemeint sind oder nicht, werden Männer daran gewöhnt, dass sie immer gemeint sind, dass es prinzipiell immer um sie geht, es sei denn, es ist ausdrücklich von Frauen die Rede.“

Den ganzen Artikel gibt es auf ihrer Website: Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen, Antje Schruppe, 14.03.2018

Empfehlenswert!

Gendergerechte Sprache als demokratische Pflicht (sueddeutsche.de)

Die Sprachwissenschaftler*innen Damaris Nübling (Universität Mainz) und Henning Lobin (Universität Gießen / Universität Mannheim) erklären in einem Artikel auf sueddeutsche.de, warum die Annahme, das generische Maskulinum würde beide Geschlechter meinen, aus sprachwissenschaftlicher Sicht falsch ist.

Außerdem sehen sie in der Verwendung von gendergerechter Sprache nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, sondern viel mehr eine demokratische Pflicht:

„Vor diesem Hintergrund ist es also nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, mit und über Menschen in der öffentlichen Kommunikation so zu sprechen, dass Männer und Frauen explizit benannt sind – allein das sollte ja eigentlich schon Grund genug sein, dies zu tun. Es ist darüber hinaus geradezu eine demokratische Pflicht, die Entfaltung von Chancengleichheit und -gerechtigkeit nicht schon durch die Ablehnung geeigneter sprachlicher Mittel zu behindern.“

Den ganzen Artikel gibt es hier: Geschlechtergerechte Sprache ist demokratische Pflicht, D. Nübling und H. Lobin, sueddeutsche.de, 06.06.2018

Veränderte Sichtweisen – durch gendergerechte Sprache

Marieke Reimann von ze.tt reflektiert in einem Kommentar, wie sich die Sichtweise und Leseerwartung ändern kann, wenn gendergerechte Sprache im Arbeitsalltag angewendet wird.

„Das tägliche Nachdenken darüber, welche Geschlechter in einem Text tatsächlich gemeint sind, führt zu einer Erwartungshaltung. Nämlich der, dass man von Verfasser*innen von Beiträgen erwartet, vermittelt zu bekommen, um was für Menschen es genau geht. Jede*r, der*die schon länger bei ze.tt arbeitet, bemerkt beim Lesen anderer Texte eine Veränderung seines*ihres Leseverhaltens. Nun sind wir keine Wissenschaftler*innen, die das empirisch erforscht hätten, aber Redakteur*innen, die jeden Tag ihr * setzen. Je öfter man das macht, desto mehr wundert man sich darüber, dass andere es nicht machen.

Sie beschreibt damit eine Erfahrung, die ich teile. Je länger man gendergerechte Sprache anwendet, je mehr man sich Gedanken über die eigene Sprache macht, desto sensibler und aufmerksamer wird man für das Thema.

Toller Kommentar!

Warum alle Medien gendern sollten (ze.tt, 01.06.2018)

„Sprache ist der Schlüssel zu Gleichberechtigung“ – Entscheidung des BGH

Der BGH hat die Revision von Marlies Krämer, die sich von ihrer Sparkasse nicht als Kunde ansprechen lassen will, abgewiesen. Die Klägerin will jetzt weiter vor das Verfassungsgericht ziehen. Es bleibt daher spannend! Sie sagt: „Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde.“ Denn: „Sprache ist der Schlüssel zur Gleichberechtigung.“

Mehr Infos z.B. bei Tagesschau.de 

Dort kommentiert Gigi Deppe vom SWR das Urteil. Hörenswert!

Das generische Maskulin – eine lange Tradition?

Wie berichtet, entscheidet der Bundesgerichtshof gerade darüber, ob Sparkassen gendergerechte Sprache anwenden müssen. Oft wird argumentiert, dass das generische Maskulin eine lange Tradition hat und daher beibehalten werden kann. Aber stimmt das überhaupt?

Diese und andere spannende Fragen stellte SZ online dem Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch. Er sagt dazu:

„Nicht das generische Maskulin ist 2000 Jahre alt. Sondern das Patriarchat.“

Das ganze Interview: Liebe Leser, das folgende Interview ist auch für Frauen gedacht, SZ online, 22.02.2018

Gerichtsurteil über gendergerechte Sprache in Verträgen und Formularen

Heute entscheidet der Bundesgerichtshof, ob alle öffentlich-rechtlichen Institutionen in Verträgen und Formualren gendergerechte Sprache anwenden müssen.

„Sollte die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut in Zukunft ihre Formular- und Vertragssprache gendern müssen, um dem Anspruch auf Gleichstellung der Geschlechter nachzukommen, würde das auch alle anderen Verträge und Formulare in öffentlich-rechtlichen Institutionen betreffen.“ (ze.tt)

Mehr dazu:

 

 

„Because it’s 2017“

Noch ein Argument für gendergerechte Sprache und damit die gleichberechtigte Abbildung der Geschlechter in unserer Sprache gesucht?

Ganz einfach: „Weil wir im Jahr 2017 leben.“

 

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau wurde 2015 gefragt, warum es ihm wichtig war, dass Frauen und Männer zu gleichen Anteilen in seinem Kabinett vertreten sind. Er antwortete kurz und aussagekräftig: „Because it’s 2015.“ und bekam dafür großen Applaus.
(Video bei Youtube: hier)