Vor- und Nachteile gängiger Schreibweisen

Die gängigste Schreibweise

  • Paarform oder Doppelform

    Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter

    Frauen und Männer werden gleichermaßen explizit angesprochen; breite Akzeptanz in der Gesellschaft; dudenkonform; barrierefrei

    Texte werden lang; Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen möchten oder können, werden nicht mitgenannt

Gängige Schreibweisen, die den Lesefluss eher stören

  • Einklammerung

    Schüler(innen)

    die weibliche Form wird mit einbezogen; dudenkonform

    eine Hierarchie entsteht, die weibliche Form wird weggeklammert; Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen möchten oder können, werden nicht mitgenannt; nicht barrierefrei

  • Schrägstrich

    Arbeiter/innen
    Arbeiter/-innen

    Frauen und Männer werden angesprochen; dudenkonform (Schrägstrich mit Bindestrich); hohe Akzeptanz in der Gesellschaft

    weibliche Bezeichnung als Anhängsel; Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen möchten oder können, werden nicht mitgenannt; nicht barrierefrei; oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten

    Bsp.: Den Arbeiter/innen stehen 30 Urlaubstage zu.
    korrekt, aber problematisch: Den Arbeitern/innen (oder Arbeiter/inne/n) stehen 30 Urlaubstage zu.

  • Binnen-I

    MigrantInnen

    Frauen und Männer werden angesprochen; die weibliche Form wird explizit mitgelesen; keine Sonderzeichen notwendig

    Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen möchten oder können, werden nicht mitgenannt; oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten; der Eindruck, ein Tippfehler hat sich eingeschlichen, könnte entstehen

    Bsp.: JedeR ist herzlich eingeladen!
    Das Jahresgespräch derDes jeweiligen Angestellten findet zwischen März und Mai statt.

  • Sternchen & Unterstrich

    Abteilungsleiter*innen
    Abteilungsleiter_innen

    neben der weiblichen und männlichen Form werden auch Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen möchten oder können, explizit angesprochen; besonders das Sternchen wird immer mehr akzeptiert

    nicht barrierefrei; oft entstehen grammatikalische Schwierigkeiten; problematisch ist auch die Suche in Suchmaschinen oder das Setzen von Hyperlinks / Unterstreichungen

    Bsp.: Legen Sie die Anträge bitte den zuständigen Abteilungsleiter*innen vor.
    korrekt, aber problematisch: Legen Sie die Anträge bitte den zuständigen Abteilungsleitern*innen vor.

Gängige Schreibweisen, die den Lesefluss beibehalten

  • Fußnote mit Anmerkung

    Empfänger¹


    ¹Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird hier und im folgenden Text zwar nur die männliche Form genannt, stets aber die weibliche und andere Formen gleichermaßen mitgemeint.

    Frauen und Menschen anderen Geschlechts werden theoretisch mitgedacht; gendergerechte Sprache wird thematisiert; Texte bleiben kurz

    im Text selbst wird keine gendergerechte Sprache benutzt und dadurch auch nicht sichtbar

  • Abwechselnde Benutzung der männlichen und weiblichen Form

    Wissenschaftlerinnen, Journalisten, Politiker und Bürgerinnen tauschten ihre Ideen in einer Zukunftswerkstatt aus.

    Frauen werden explizit genannt; gendergerechte Sprache sticht ins Auge → Sensibilisierung; barrierefrei

    unklar bleibt, wann tatsächlich nur Menschen eines bestimmten Geschlechts gemeint sind; Menschen, die sich weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zuordnen möchten oder können, werden nicht mitgenannt

    Bsp.: Waren nur (männliche) Politiker und (weibliche) Wissenschaftlerinnen vor Ort?

  • Neutrale Schreibweise

    Forschende und Fachkräfte

    alle Geschlechter sind gemeint; manche Begriffe haben sich schon etabliert (Bsp. 1); barrierefrei; z.T. dudenkonform; Neuwortschöpfungen sind möglich

    Personen werden ggf. objektiviert und wirken unpersönlich (Bsp. 2); Begriffe sind manchmal erst ungewohnt (Bsp. 3)

    Bsp. 1: Studierende
    Bsp. 2: Lehrkräfte, Fachkräfte
    Bsp. 3: Arbeitgebende

Weitere mögliche Schreibweisen, die (bisher) eher selten vorkommen

    • Vertreterinnen (generisches Femininum; ggf. in Kombination mit einer erklärenden Fußnote)
    • Dachdecker.innen (Punkt)
    • Archite_ktinnen (dynamischer Unterstrich)
    • Prüfxs / Prüf** (x- / *-Form)
    • Autor°innen
    • Schauspieler:innen (Doppelpunkt)
    • Sachbearbeiter!nnen (Ausrufezeichen statt Binnen-I)
    • Kämpferïnnen (i mit zwei Punkten)
    • Die Ärztin* und der Krankenpfleger+, welche … (*) Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird hier nur die weibliche Form genannt, doch wird die männliche Form gleichermaßen mitgemeint. (+) Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird hier nur die männliche Form genannt, doch wird die weibliche Form gleichermaßen mitgemeint. (permanent gesetzte Fußnoten)


Das Genderwörterbuch, sowie die Inhalte auf den Unterseiten „Muss das sein?“, „Gängige Schreibweisen“, „Tipps und Tricks“ und „Blog“ von Johanna Usinger (geb. Müller) sind lizenziert unter einer CC-BY-NC-SA 4.0 International Lizenz..


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