Tag Archives: Formulierungen

Rechtschreibrat: Noch keine Empfehlung

Viele erwarteten heute vom Rat für deutsche Rechtschreibung eine Aussage darüber, welche gendergerechte Schreibweise er empfiehlt (v.a. in Hinblick auf das Gerichtsurteil, das eine Dritte Option neben „männlich“ und „weiblich“ fordert). Leider entschied sich der Rechtschreibrat dafür, sich vorerst nicht zu entscheiden.

Die Pressemitteilung kann hier nachgelesen werden (pdf):

http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf

Die dritte Option – nicht nur in Stellenausschreibungen

Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 2017, das eine dritte Option im Personenstandregister vorsieht, ergeben sich für Unternehmen und Verwaltungen viele offene Fragen.

In Stellenausschreibungen wird mittlerweile standardmäßig die Form (m/w/d) eingesetzt, z.B. „Sachbearbeiter (m/w/d)“. d steht dabei für divers und soll die ansprechen, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen können oder wollen.

Doch auch in vielen anderen Bereichen können Unternehmen und Verwaltungen darauf achten, alle Personen anzusprechen oder zu nennen.

Die Stiftung PROUT AT WORK hat dazu umfassende Empfehlungen veröffentlicht. Sehr empfehlenswert für alle, die sich detaillierter mit dem Thema beschäftigen möchten:

„Die Dritte Option und ihre Umsetzung in Unternehmen“

Link: https://www.proutatwork.de/einfuehrung-der-dritten-option/

 

„Sichtbar sein!“ – Rap von Jugendlichen

Pinkstinks hat mit 13-jährigen Mädchen ein Video zu gendergerechter Sprache produziert. Daraus ist der Musikclip „Sichtbar sein!“ entstanden. Wie das Video entstanden ist und wie sich der Song anhört, erfahren Sie auf der Website von Pinkstinks:

 https://pinkstinks.de/hamburger-schuelerinnen-protestieren-zum-weltmaedchentag/

Gendern in Übersetzungen

Für Personen, die Texte von einer anderen Sprache ins Deutsche übersetzen, ergeben sich spannende Fragen, wenn sie gendergerechte Sprache einsetzen wollen.

Auf TraLaLit – Plattform für übersetzte Literatur schildern sieben Übersetzer*innen ihre Erfahrungen und Vorgehensweisen.

Lesenswert!

Sprache und Geschlecht, TraLaLit, 29.08.2018

Veränderte Sichtweisen – durch gendergerechte Sprache

Marieke Reimann von ze.tt reflektiert in einem Kommentar, wie sich die Sichtweise und Leseerwartung ändern kann, wenn gendergerechte Sprache im Arbeitsalltag angewendet wird.

„Das tägliche Nachdenken darüber, welche Geschlechter in einem Text tatsächlich gemeint sind, führt zu einer Erwartungshaltung. Nämlich der, dass man von Verfasser*innen von Beiträgen erwartet, vermittelt zu bekommen, um was für Menschen es genau geht. Jede*r, der*die schon länger bei ze.tt arbeitet, bemerkt beim Lesen anderer Texte eine Veränderung seines*ihres Leseverhaltens. Nun sind wir keine Wissenschaftler*innen, die das empirisch erforscht hätten, aber Redakteur*innen, die jeden Tag ihr * setzen. Je öfter man das macht, desto mehr wundert man sich darüber, dass andere es nicht machen.

Sie beschreibt damit eine Erfahrung, die ich teile. Je länger man gendergerechte Sprache anwendet, je mehr man sich Gedanken über die eigene Sprache macht, desto sensibler und aufmerksamer wird man für das Thema.

Toller Kommentar!

Warum alle Medien gendern sollten (ze.tt, 01.06.2018)

Petition von pinkstinks.de zu gendergerechter Sprache

Auf pinkstinks.de läuft gerade eine Petition zum Thema gendergerechte Sprache. Die Kultusministerkonferenz wird damit aufgefordert, renommierte Linguist*innen im Fachbereich gendergerechte Sprache zu beauftragen, um eine Entwicklung gendergerechter Sprache bzw. eine gendergerechte Sprachreform auszuarbeiten.

Mehr Infos und die Möglichkeit zu unterzeichnen gibt es hier:

https://pinkstinks.de/gendersprache/

 

„Sprache ist der Schlüssel zu Gleichberechtigung“ – Entscheidung des BGH

Der BGH hat die Revision von Marlies Krämer, die sich von ihrer Sparkasse nicht als Kunde ansprechen lassen will, abgewiesen. Die Klägerin will jetzt weiter vor das Verfassungsgericht ziehen. Es bleibt daher spannend! Sie sagt: „Ich sehe das überhaupt nicht mehr ein, dass ich als Frau totgeschwiegen werde.“ Denn: „Sprache ist der Schlüssel zur Gleichberechtigung.“

Mehr Infos z.B. bei Tagesschau.de 

Dort kommentiert Gigi Deppe vom SWR das Urteil. Hörenswert!

Muss ich „Betriebsrat“ gendern?

Betriebsrat, Vorstand oder Stadtrat – müssen diese Wörter gegendert werden?

Ja und nein, denn es kommt auf die Bedeutung des Wortes an:

  • Meint der Begriff eine einzelne Person, sollte er auch gendergerecht geschrieben werden. Das allerdings nur, wenn nicht eindeutig klar ist, welches Geschlecht diese Perosn hat. Eine gendergerechte Schreibweise lässt sich zum Beispiel mit der Doppelform umsetzen:
    Wir suchen eine Betriebsrätin oder einen Betriebsrat / einen Vorstand oder eine Vorständin / einen Stadtrat oder eine Stadträtin.
    Eine geschickte Möglichkeit gibt es aber auch:
    Wir suchen ein neues Mitglied für den Betriebsrat/Vorstand/Stadtrat.
  • Meint der Begriff das jeweilige Gremium, ist die gendergerechte Variante überflüssig.
    Frau Uzun wurde in den Betriebsrat gewählt.
    Der Vorstand tagt jeden Mittwoch um 10 Uhr.
    Der Stadtrat besteht aus 40 Personen.

Gerichtsurteil über gendergerechte Sprache in Verträgen und Formularen

Heute entscheidet der Bundesgerichtshof, ob alle öffentlich-rechtlichen Institutionen in Verträgen und Formualren gendergerechte Sprache anwenden müssen.

„Sollte die Sparkasse als öffentlich-rechtliches Kreditinstitut in Zukunft ihre Formular- und Vertragssprache gendern müssen, um dem Anspruch auf Gleichstellung der Geschlechter nachzukommen, würde das auch alle anderen Verträge und Formulare in öffentlich-rechtlichen Institutionen betreffen.“ (ze.tt)

Mehr dazu:

 

 

Duden-Ratgeber: Richtig gendern (Kleine Rezension)

Ende 2017 hat der Duden einen ausführlichen Ratgeber zum Thema „gendergerechte Sprache“ herausgegeben:

Richtig gendern. Wie sie angemessen und verständlich schreiben. (Anja Steinhauer, Gabriele Diewald, Duden 2017)

Die Autorinnen zeigen die aktuelle Debatte und liefern sprachwissenschaftlich fundierte Argumente für gendergerechte Sprache. Sehr übersichtlich, leicht verständlich und detailliert werden die amtlichen Regelungen dargestellt und konkrete Anwendungsbeispiele gegeben. Außerdem zeigen die Autorinnen auch gendergerechte Schreibweisen abseits der amtlichen Regelungen dar – die ebenso ihre Daseinsberechtigung haben und zum Teil sehr verbreitet sind.
Menschen, die streng nach den amtlichen Regeln schreiben müssen, lege ich dieses kleine Büchlein wärmstens ans Herz.
Empfehlenswert ist es außerdem für alle, die sich noch weiter in das Thema „gendergerechte Sprache“ vertiefen möchten.

(Zur Frage, ob gendergerechte Sprache immer dudenkonform sein muss, siehe mein Blogeintrag „Wie Sie RICHTIG gendern…“ (12.09.2016).)

Übrigens: Wir fühlen uns geehrt, unter den Quellen genannt zu sein! 😉