Henne oder Ei…was ist „richtiges Deutsch“?

Die Amtssprache ist durch den Duden festgelegt. Aus amtlicher Perspektive gibt es in unserer Sprache ein klares Richtig und Falsch: Alle Wörter, die der Duden aufführt, existieren, alle andere Wörter werden als nicht-korrektes Deutsch empfunden. Es gibt Richtig und Falsch in der Rechtschreibung und in der Setzung der Satzzeichen. Wir können uns daher zumindest in der schrifltichen Sprache am Duden orientieren.

Gleichzeitig sprechen wir aber auch Sätze, die grammatikalisch nicht korrekt sind, wir verwenden Wörter, die der Duden (noch?) nicht aufführt.

Denn: Sprache verändert sich, da sich die Welt verändert. Wörter wie Handy, Tablet oder Kitaplatz, gibt es erst, seit es Handys, Tablets und Kitaplätze gibt. Sie wurden nicht vom Duden erfunden, sondern haben sich entwickelt und wurden von Menschen in ihrer Sprache benutzt. Und so ändert sich auch der Duden: Regelmäßig werden Wörter und Regelungen aufgenommen, da sie seit Jahren in der Alltagsprache der Menschen vorkommen.

Wenn wir Sprache bewerten, stellt sich also die Frage: Was ist „richtiges“ Deutsch? Die Sprache derjenigen, die sie jeden Tag benutzen? Oder ein Regelwerk/Buch, das einen gemeinsamen Konsens an Regelungen und Wörtern bündelt?

Momentan berät der Rechtschreibrat über das Gendersternchen – soll es in das Regelwerk als gendergerechte Schreibweise mit aufgenommen werden? Einen interessanten Gastbeitrag zu diesem Thema schreibt der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch auf tagesspiegel.de:

„Diese und andere Experimente zeigen, dass das ‚generische‘ Maskulinum eine grammatische Fiktion ist und alternative Formen eine Daseinsberechtigung haben. Der Rechtschreibrat muss das aber gar nicht diskutieren. Laut Satzung soll er die ‚Schreibentwicklung‘ beobachten und Vorschläge zur ‚Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache‘ machen. Und der Wandel im schriftsprachlichen Umgang mit Geschlecht ist längst sichtbar – die oben genannten Formen finden sich seit Jahrzehnten im Sprachgebrauch verschiedener alternativer Subkulturen und sind von dort aus in die Kommunikation von Medien, Unternehmen und Behörden gelangt.“

Den ganzen Artikel gibt es hier: Nützliche Sternchen brauchen keine Amtshilfe. Von Anatol Stefanowitsch, 07.06.2018, tagesspiegel.de