Tag Archives: gendergerecht formulieren

Generisches Femininum statt Gendersternchen

Luise F. Pusch, Sprachforscherin und Vorreiterin für gendergerechte Sprache, plädiert in der aktuellen Debatte und Verbreitung des Gendersternchen für die Verwendung des generischen Femininums:

„Ich ziehe den derzeit angesagten ‚queeren‘ Schreibweisen das gute alte Binnen-I vor, denn es kommt der idealen Lösung des generischen Femininums optisch noch am nächsten, während Genderstern und Unterstrich die Wörter in drei Teile zerreißen, und der allerletzte, das innen, ist uns Frauen zugedacht. Nein danke!“

Ihre Erläuterungen beschreibt sie im Artikel „Fühlen Sie sich mitgemeint!“ auf emma.de. (Link, 05.02.2019)

Stellenausschreibungen diskriminierungssensibel

Die Antidiskriminerungsstelle des Bundes hat Empfehlungen für diskriminierungssensibel Stellenausschreibungen herausgegeben:

  1. merkmalsneutrale Formulierungen
  2. Jobbezeichnung in neutraler Sprache
  3. geschlechtsneutral formulierte Qualifikationen
  4. Stellenausschreibung möglichst ausgeglichen formulieren in Bezug auf Eigenschaften
  5. Verzicht auf Fotos in Stellenausschreibungen
  6. Gruppen, die im Unternehmen unterrepräsentiert sind, sollen explizit zu Bewerbungen aufgefordert werden

Ausführlich nachzulesen im Kapitel 4 der Studie „Diskriminierung in Stellenanzeigen. Studie zur Auswertung von Stellenanzeigen im Hinblick auf Diskriminierung, Ausschlussmechanismen und positive Maßnahmen (08/2018)“ (Download: pdf)

Sprachkritik: Gendergerechte Sprache (Deutschlandfunk)

Svenja Flaßpöhler, Philosophin, spricht im Interview „Sprachkritik“ am 25.11.2018 auf Deutschlandfunk über gendergerechte Sprache. Eine spannende und differenzierte Sicht auf das Thema!

„Wenn wir mal annehmen, wir hätten wirklich eine gleichberechtigte Gesellschaft, es wären genauso viele Frauen wie Männer in Arztpraxen, in Führungspositionen, in Vorständen und so weiter. Ich vermute mal, wir würden uns nicht weiter daran stören: an diesem generischen Maskulinum. Das wäre uns ziemlich wurscht, weil die gesellschaftliche Realität ja nun einmal eine ist, wie wir sie haben wollen, nämlich eine gleichberechtigte.“ (Svenja Flaßpöhler)

Nachzuhören hier: https://www.deutschlandfunk.de/sprachkritik-3-4-geschlechtergerechtigkeit.1184.de.html?dram:article_id=430642

Rechtschreibrat: Noch keine Empfehlung

Viele erwarteten heute vom Rat für deutsche Rechtschreibung eine Aussage darüber, welche gendergerechte Schreibweise er empfiehlt (v.a. in Hinblick auf das Gerichtsurteil, das eine Dritte Option neben „männlich“ und „weiblich“ fordert). Leider entschied sich der Rechtschreibrat dafür, sich vorerst nicht zu entscheiden.

Die Pressemitteilung kann hier nachgelesen werden (pdf):

http://www.rechtschreibrat.com/DOX/rfdr_PM_2018-11-16_Geschlechtergerechte_Schreibung.pdf

Die dritte Option – nicht nur in Stellenausschreibungen

Durch das Urteil des Bundesverfassungsgerichts im November 2017, das eine dritte Option im Personenstandregister vorsieht, ergeben sich für Unternehmen und Verwaltungen viele offene Fragen.

In Stellenausschreibungen wird mittlerweile standardmäßig die Form (m/w/d) eingesetzt, z.B. „Sachbearbeiter (m/w/d)“. d steht dabei für divers und soll die ansprechen, die sich nicht dem weiblichen oder männlichen Geschlecht zuordnen können oder wollen.

Doch auch in vielen anderen Bereichen können Unternehmen und Verwaltungen darauf achten, alle Personen anzusprechen oder zu nennen.

Die Stiftung PROUT AT WORK hat dazu umfassende Empfehlungen veröffentlicht. Sehr empfehlenswert für alle, die sich detaillierter mit dem Thema beschäftigen möchten:

„Die Dritte Option und ihre Umsetzung in Unternehmen“

Link: https://www.proutatwork.de/nr-2-die-dritte-option-und-ihre-umsetzung-in-unternehmen/ (aktualisiert 01/2018)

 

„Sichtbar sein!“ – Rap von Jugendlichen

Pinkstinks hat mit 13-jährigen Mädchen ein Video zu gendergerechter Sprache produziert. Daraus ist der Musikclip „Sichtbar sein!“ entstanden. Wie das Video entstanden ist und wie sich der Song anhört, erfahren Sie auf der Website von Pinkstinks:

 https://pinkstinks.de/hamburger-schuelerinnen-protestieren-zum-weltmaedchentag/

Gendern in Übersetzungen

Für Personen, die Texte von einer anderen Sprache ins Deutsche übersetzen, ergeben sich spannende Fragen, wenn sie gendergerechte Sprache einsetzen wollen.

Auf TraLaLit – Plattform für übersetzte Literatur schildern sieben Übersetzer*innen ihre Erfahrungen und Vorgehensweisen.

Lesenswert!

Sprache und Geschlecht, TraLaLit, 29.08.2018

Gendern mit * funktioniert nicht in gesprochener Sprache! – Doch.

Gerade gibt es viel Diskussion um das Gendersternchen, eine Schreibweise, die neben Männern nicht nur Frauen in die Sprache einbezieht, sondern auch alle anderen Geschlechter. Der Rechtschreibrat diskutiert darüber, ob das Genderstern als Empfehlung in den Duden aufgenommen werden soll. Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass im Behördenregister neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte Option eingeführt werden muss.

Das Gendersternchen wird seit vielen Jahren von vielen Menschen bereits genutzt und wird immer bekannter.

Leider hält sich das Vorurteil, man könne das Gendersternchen in der gesprochenen Sprache nicht hören.

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erklärt in seinem Blogbeitrag Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache (sprachlog.de, 09.06.2018), wie das geht und wie es sich anhört.