Tag Archives: gendergerecht formulieren

„Because it’s 2017“

Noch ein Argument für gendergerechte Sprache und damit die gleichberechtigte Abbildung der Geschlechter in unserer Sprache gesucht?

Ganz einfach: „Weil wir im Jahr 2017 leben.“

 

Der kanadische Premierminister Justin Trudeau wurde 2015 gefragt, warum es ihm wichtig war, dass Frauen und Männer zu gleichen Anteilen in seinem Kabinett vertreten sind. Er antwortete kurz und aussagekräftig: „Because it’s 2015.“ und bekam dafür großen Applaus.
(Video bei Youtube: hier)

Wie „gender“ darf die Sprache werden? (Spektrum der Wissenschaft)

Gerade ist ein sehr informativer Artikel auf spektrum.de erschienen, der verschiedene Aspekte gendergerechter Sprache gut gebündelt und leicht verständlich darstellt: Warum gendergerechte Sprache sinnvoll sein kann, welche Möglichkeiten es im Deutschen gibt, und welche Wege andere Länder gehen. Sehr interessant sind auch die dargestellten Argumente für und gegen gendergerechte Sprache.

Link zum Artikel:

Wie ‚gender‘ darf die Sprache werden? (Mareike Knoke, 22.09.2017, spektrum.de)

 

Neu im Duden: Ampelfrau, Wutbürgerin und Binnen-I

Gerade ist die 27. Auflage des DUDEN erschienen. 5.000 Wörter wurden neuaufgenommen. Erfreulich: Dadurch sind die Begriffe geschlechtergerecht, Binnen-I und Gender jetzt dudenkonform.

Seit der 26. Auflage (2013) ist die Vorständin im Duden präsent (der Vorstand war schon länger zu finden), nun wurden auch die femininen Begriffe Wutbürgerin, Beiständin und Ampelfrau ergänzt. Neu eingezogen sind auch der Internetaktivist gemeinsam mit der Internetaktivistin. Der neue Begriff Quotenkönig fristet sein Dasein aber leider (noch?) ohne die Quotenkönigin.

Meine Hoffnung, dass gendergerechte Begriffe wie Ansprechperson, Teilnahmeliste oder Erziehungskraft im neuen Duden erscheinen, wurde nur zum Teil erfüllt. Immerhin ist die Ansprechperson nun auch dudenkonform. Zur Frage, ob gendergerechte Sprache dudenkonform sein muss, siehe Blogeintrag „Wie Sie RICHTIG gendern…“ (12.09.2016).

Übrigens: 45% der Wörter im Duden sind feminin, 35% maskulin und 20% neutrum.

 

 

 

 

Sprache als Handlung (Workshopmitschnitt mit Lann Hornscheidt, pn17)

„Ich verstehe Sprache immer als Handlung.“

Lann Hornscheidt spricht im Workshop „Exit Gender“ auf dem Festival für junge Literatur Prosanova 2017 über Zweigeschlechtlichkeit, Diskriminierung und Normvorstellungen in unserer Gesellschaft – und wie wir durch Sprache einen Unterschied machen können. Sehr interessant und inspirierend für alle, die etwas tiefer in das Thema „Gender“ einsteigen wollen.

Nachzuhören bei Litradio: Litradio: Workshop „Exit Gender“ (Tonmitschnitt)

Sehr geehrte Damen und Herren!

Die Formulierung Sehr geehrte Damen und Herren! ist bereits gendergerecht, wenn beide Geschlechter genannt werden sollen.

Sollen mehr als zwei Geschlechter angesprochen werden, gibt es verschiedene Formulierungsmöglichkeiten. Meist ist die Zielgruppe, die angesprochen wird, bekannt und kann deshalb eingegrenzt und gendergerecht angesprochen werden:

  • Guten Tag!
  • Sehr geehrtes Team der Muster GmbH!
  • Sehr geehrter Kundenservice der TeleGesell!
  • Sehr geehrte Führungskräfte!
  • Sehr geehrte Beschäftigte!
  • Sehr geehrtes Publikum!
  • Sehr geehrte Tagungsteilnehmende!
  • Sehr geehrtes Kollegium!

 

Genderstern im User Interface von WordPress

WordPress kündigte vor Kurzem an, in seinem User Interface den Genderstern für Begriffe wie Benutzer*in, Administrator*in oder Autor*in zu verwenden. Die Wahl der gendergerechten Sternchen-Variante wäre vorläufig gewesen, um zu einem späteren Zeitpunkt ggf. andere Alternativen zu verwenden. Über diese Alternativen konnte im Forum diskutiert werden

Stringintelligenz – Wozu das Ganze?

Das Vorhaben wurde nun (bis auf weiteres) wieder zurückgezogen. Schade!

Stringintelligenz – Vorschlag für WordPress 4.7 zurückgezogen

Der genderneutrale Mann meiner Cousine

Wenn Sie wissen, dass es sich bei einer konkreten Person, von der Sie schreiben/sprechen, um einen Mann handelt, ist es nicht notwendigt (ihn) zu gendern.

  • „Meine Cousine heiratete vor einem Jahr ihren Mann.“ -> Die genderneutrale Variante dieses Satzes ist nicht sinnvoll und auch nicht verständlich: „Meine Cousine heiratete vor einem Jahr ihre Person.“

Gleiches gilt für den Fall, wenn Sie wissen, dass eine gesamte Personengruppe tatsächlich zu 100% aus Männern bzw. Frauen besteht:

  • „Alle geöffneten Kassen waren von Kassierern besetzt.“ -> Dieser Satz kann so bleiben, wenn alle Kassierer Männer sind.
  • „In der Talkrunde am kommenden Donnerstag diskutieren Expertinnen die aktuelle politische Situation.“ -> Dieser Satz kann so bleiben, wenn die Talkrunde ausschließlich aus Frauen besteht.

Gendergerechte Alternativen sind also dann hilfreich, wenn Sie eine gemischte Personengruppe benennen möchten oder Sie sich nicht sicher sind, ob die Personengruppe ausschließlich männlich bzw. weiblich ist oder sein wird:

  • „Jeden Donnerstag diskutieren Fachleute die aktuelle politische Situation.“

Warum schlägt das Genderwörterbuch dann überhaupt Begriffe im Singular vor? Wenn Sie wissen, dass die Ansprechperson eine Frau ist, können Sie den Begriff Ansprechpartnerin wählen. Wenn die Ansprechperson ein Mann ist, können Sie Ansprechpartner beibehalten. Wenn Sie aber nicht wissen (können), welches Geschlecht die Ansprechperson hat, ist ein gendergerechter Begriff nützlich:

  • „Wer ist in Ihrem Unternehmen die Ansprechperson für Arbeitssicherheit?“
  • „Die jeweilige Ansprechperson für Öffentlichkeitsarbeit soll eine Fortbildung zum Thema ‚Social Media‘ besuchen.“

 

Wie Sie RICHTIG gendern…

„Wie kann ich richtig gendern?“ Diese Frage erhalte ich regelmäßig in Workshops und Emails.

Die eine korrekte gendergerechte Schreibweise gibt es nicht. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, die alle ihre Vorzüge und Grenzen haben. Welche Schreibweise Sie wählen, kommt auch immer auf den Kontext Ihres Textes und auf Ihre lesende Zielgruppe an. Was hat Priorität: Lesefluss, Bekenntnis zu Gleichberechtigung, formale Anforderungen (Design/Platz), Verständlichkeit für die Zielgruppe, politisches Statement, interne einheitliche Schreibweise in Ihrer Organisation, … ?
Wenn Sie die Schreibweise verwenden, die am besten zu Ihnen passt, dann haben Sie die „richtige“ Schreibweise gewählt.

„Kann ich Ansprechperson sagen, auch wenn es nicht im Duden steht?“

Ja, Sie können. Sie müssen aber nicht.
Auch hier stellt sich die Frage, was für Sie Priorität hat: Wollen/sollen Sie Ihren Text nur nach Standards des Duden formulieren? Oder sind Wortneuschöpfungen, ja das Spiel mit der Sprache zulässig? Sprache entwickelt sich permanent weiter, sodass auch mit der Zeit viele Wörter neu in den Duden aufgenommen wurden, nachdem sie sich in der gesprochenen Sprache durchgesetzt haben. 2013 wurden beispielsweise 5000 neue Wörter in den Duden aufgenommen, u.a. die Begriffe Liebesschloss, Enkeltrick oder die Vorständin (!). Wer weiß, vielleicht schafft es ja auch die Ansprechperson, die Teilnahmeliste oder die Erziehungskraft in eine der nächsten Auflagen?

 

Ergänzung (18.08.2017): Ansprechperson wurde in den neuen Duden (2017) aufgenommen (s. Blogeintrag „Neu im Duden: Ampelfrau, Wutbürgerin und Binnen-I“).