Author Archives: Johanna Usinger

„Sichtbar sein!“ – Rap von Jugendlichen

Pinkstinks hat mit 13-jährigen Mädchen ein Video zu gendergerechter Sprache produziert. Daraus ist der Musikclip „Sichtbar sein!“ entstanden. Wie das Video entstanden ist und wie sich der Song anhört, erfahren Sie auf der Website von Pinkstinks:

 https://pinkstinks.de/hamburger-schuelerinnen-protestieren-zum-weltmaedchentag/

Gendern in Übersetzungen

Für Personen, die Texte von einer anderen Sprache ins Deutsche übersetzen, ergeben sich spannende Fragen, wenn sie gendergerechte Sprache einsetzen wollen.

Auf TraLaLit – Plattform für übersetzte Literatur schildern sieben Übersetzer*innen ihre Erfahrungen und Vorgehensweisen.

Lesenswert!

Sprache und Geschlecht, TraLaLit, 29.08.2018

Verkehrsschilder mal anders

Ampelfrauen gibt es schon. Aber was ist eigentlich mit Frauen auf den deutschen Verkehrsschildern?

„Um unser Denken in Sachen Geschlechterrollen ein wenig aufzubrechen, hat ze.tt die deutschen Verkehrsschilder unter die Lupe genommen. Ja, die Figuren auf den meisten Schildern könnten geschlechtsneutral sein. Es gibt keine Merkmale, die diese Figuren einem eindeutigen Geschlecht zuordnen. Aber: Sehen wir nicht dennoch überwiegend Männer darauf? In unseren Köpfen ist es ein Männchen auf dem Baustellenschild, das gerade Sand schaufelt, ein Motorradfahrer auf dem Verbotszeichen, ein Junge, der einem Ball hinterläuft. Nicht umsonst trägt das Berliner Ampelmännchen seinen Namen.“

Zum ganzen Artikel auf ze.tt und ein paar Vorschläge für diverse Verkehrsschilder geht es hier:

Warum sind auf Verkehrsschildern eigentlich nicht auch Frauen abgebildet? ze.tt, Philipp Kienzl, 01.08.2018

Gendern mit * funktioniert nicht in gesprochener Sprache! – Doch.

Gerade gibt es viel Diskussion um das Gendersternchen, eine Schreibweise, die neben Männern nicht nur Frauen in die Sprache einbezieht, sondern auch alle anderen Geschlechter. Der Rechtschreibrat diskutiert darüber, ob das Genderstern als Empfehlung in den Duden aufgenommen werden soll. Das Bundesverfassungsgericht hat geurteilt, dass im Behördenregister neben „männlich“ und „weiblich“ eine dritte Option eingeführt werden muss.

Das Gendersternchen wird seit vielen Jahren von vielen Menschen bereits genutzt und wird immer bekannter.

Leider hält sich das Vorurteil, man könne das Gendersternchen in der gesprochenen Sprache nicht hören.

Der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch erklärt in seinem Blogbeitrag Gendergap und Gendersternchen in der gesprochenen Sprache (sprachlog.de, 09.06.2018), wie das geht und wie es sich anhört.

Henne oder Ei…was ist „richtiges Deutsch“?

Die Amtssprache ist durch den Duden festgelegt. Aus amtlicher Perspektive gibt es in unserer Sprache ein klares Richtig und Falsch: Alle Wörter, die der Duden aufführt, existieren, alle andere Wörter werden als nicht-korrektes Deutsch empfunden. Es gibt Richtig und Falsch in der Rechtschreibung und in der Setzung der Satzzeichen. Wir können uns daher zumindest in der schrifltichen Sprache am Duden orientieren.

Gleichzeitig sprechen wir aber auch Sätze, die grammatikalisch nicht korrekt sind, wir verwenden Wörter, die der Duden (noch?) nicht aufführt.

Denn: Sprache verändert sich, da sich die Welt verändert. Wörter wie Handy, Tablet oder Kitaplatz, gibt es erst, seit es Handys, Tablets und Kitaplätze gibt. Sie wurden nicht vom Duden erfunden, sondern haben sich entwickelt und wurden von Menschen in ihrer Sprache benutzt. Und so ändert sich auch der Duden: Regelmäßig werden Wörter und Regelungen aufgenommen, da sie seit Jahren in der Alltagsprache der Menschen vorkommen.

Wenn wir Sprache bewerten, stellt sich also die Frage: Was ist „richtiges“ Deutsch? Die Sprache derjenigen, die sie jeden Tag benutzen? Oder ein Regelwerk/Buch, das einen gemeinsamen Konsens an Regelungen und Wörtern bündelt?

Momentan berät der Rechtschreibrat über das Gendersternchen – soll es in das Regelwerk als gendergerechte Schreibweise mit aufgenommen werden? Einen interessanten Gastbeitrag zu diesem Thema schreibt der Sprachwissenschaftler Anatol Stefanowitsch auf tagesspiegel.de:

„Diese und andere Experimente zeigen, dass das ‚generische‘ Maskulinum eine grammatische Fiktion ist und alternative Formen eine Daseinsberechtigung haben. Der Rechtschreibrat muss das aber gar nicht diskutieren. Laut Satzung soll er die ‚Schreibentwicklung‘ beobachten und Vorschläge zur ‚Anpassung des Regelwerks an den allgemeinen Wandel der Sprache‘ machen. Und der Wandel im schriftsprachlichen Umgang mit Geschlecht ist längst sichtbar – die oben genannten Formen finden sich seit Jahrzehnten im Sprachgebrauch verschiedener alternativer Subkulturen und sind von dort aus in die Kommunikation von Medien, Unternehmen und Behörden gelangt.“

Den ganzen Artikel gibt es hier: Nützliche Sternchen brauchen keine Amtshilfe. Von Anatol Stefanowitsch, 07.06.2018, tagesspiegel.de

 

„Die Erfahrung zeigt, dass sich dann doch irgendwann was ändert.“

Die Bloggerin Das Nuf (www.dasnuf.de) denkt über ihre Erfahrungen mit gendergerechter Sprache nach – und kommt zu dem Schluss, dass Gendern etwas verändert. Toller Artikel mit leicht zu verstehenden Beispielen aus dem Alltag!

„Wenn weit und breit nur Frauen zu sehen sind, fühle ich mich mit der männlichen Ansprache tatsächlich nicht mehr mitgemeint. Sprachlich völlig verdorben – zumindest seit ich mich mit dem Thema der gendergerechten Sprache auseinandersetze.“

„‚Was spricht denn dafür?‘, werde ich oft gefragt. Persönlich finde ich spricht dafür, dass es sich Menschen wünschen. Wenn mir jemand sagt: ‚Ich fühle mich besser damit‘ und es kostet mich (fast) nichts, warum sollte ich dann darauf beharren meine Sprache nicht ein bißchen anzupassen? So schwer ist das nicht.“

Den ganzen Blogbeitrag gibt es hier: Gendern ist schon auch sehr anstrengend, dasnuf.de, 18.03.2018

Gendern an – gendern aus: Gender-Button bei TONIC

Das Jugendmagazin Tonic (www.tonic-magazin.de) hat auf seiner Website einen „Gender-Button“. Wer die Artikel in gendergerechter Sprache lesen möchte, kann einfach den Button anklicken. Alle Personen werden dann mit dem Sternchen gegendert (z.B. Seenotretter*innen).

Hintergründe zum Gender-Button hat die Redaktion in ihrem Blog notiert: Der erste Gender-Button der Welt

Generisches Maskulinum: „Es geht nicht um das ‚Mitgemeint‘ sein der Frauen“ (A. Schrupp)

Die Journalistin und Politikwissenschaftlerin Antje Schrupp (www.antjeschrupp.com) macht sich sehr interessante Gedanken über das generische Maskulinum und darüber, warum sich ein Teil der Gesellschaft so vehement gegen gendergerechte Sprache wehrt:

„Ich glaube tatsächlich, dass ihnen [vielen Männern, Anm. Johanna Usinger], gerade aufgrund der Struktur unserer Sprache, hierfür die Übung fehlt. Während Frauen aufgrund des generischen Maskulinums von klein auf üben (müssen), zu unterscheiden, ob sie gemeint sind oder nicht, werden Männer daran gewöhnt, dass sie immer gemeint sind, dass es prinzipiell immer um sie geht, es sei denn, es ist ausdrücklich von Frauen die Rede.“

Den ganzen Artikel gibt es auf ihrer Website: Sprache: Es geht nicht um das „Mitgemeintsein“ von Frauen, Antje Schruppe, 14.03.2018

Empfehlenswert!

Soll das Gendersternchen in den Duden?

Heute, am 08.06.2018, diskutiert der Rat für deutsche Rechtschreibung darüber, ob das Gendersternchen oder andere geschlechtergerechte Schreibweisen in den Duden aufgenommen werden sollen.

Wie es dazu kommt und andere Hintergründe gibt es z.B. auf tagesspiegel.de: Kommt das Gendersternchen jetzt in den Duden? (Anja Kühne, 17.05.2018)

Gendergerechte Sprache als demokratische Pflicht (sueddeutsche.de)

Die Sprachwissenschaftler*innen Damaris Nübling (Universität Mainz) und Henning Lobin (Universität Gießen / Universität Mannheim) erklären in einem Artikel auf sueddeutsche.de, warum die Annahme, das generische Maskulinum würde beide Geschlechter meinen, aus sprachwissenschaftlicher Sicht falsch ist.

Außerdem sehen sie in der Verwendung von gendergerechter Sprache nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, sondern viel mehr eine demokratische Pflicht:

„Vor diesem Hintergrund ist es also nicht nur ein Gebot der Höflichkeit, mit und über Menschen in der öffentlichen Kommunikation so zu sprechen, dass Männer und Frauen explizit benannt sind – allein das sollte ja eigentlich schon Grund genug sein, dies zu tun. Es ist darüber hinaus geradezu eine demokratische Pflicht, die Entfaltung von Chancengleichheit und -gerechtigkeit nicht schon durch die Ablehnung geeigneter sprachlicher Mittel zu behindern.“

Den ganzen Artikel gibt es hier: Geschlechtergerechte Sprache ist demokratische Pflicht, D. Nübling und H. Lobin, sueddeutsche.de, 06.06.2018